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Frankfurter Allgemeine vom 23.9.2008 Vermittler zwischen Mietern Sozialarbeiter als Schlichter bei Wohnungsbaugesellschaft lat. HOFHEIM. 5000 Menschen leben in den rund 200 Häusern der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (HWB) in der Kreisstadt Hofheim. Die Zahl der Migranten liegt bei 30 Prozent, und 25 Prozent der Mieter in den Wohnungen aus den sechziger und siebziger Jahren sind älter als 60 Jahre. Das Aufeinanderprallen von Jung und Alt, Deutschen und Ausländern führt in den vergangenen Jahren verstärkt zu Konflikten. Verhältnisse wie im Frankfurter Gallusviertel gebe es zwar nirgendwo, sagen HWB-Geschäftsführer Josef Mayr und Prokurist Norman Diehl. Und dennoch würden die Hausmeister geradezu überschwemmt mit Beschwerden, weil die Mieter teilweise miteinander nicht auskämen. Da die rein handwerklich geschulten Mitarbeiter für die Schlichtung nachbarschaftlicher Konflikte nicht ausgebildet sind, hat vor sechs Wochen der erste Sozialarbeiter als Sozialmanager für die HWB-Wohnungen in der Kreisstadt seine Arbeit aufgenommen. Für Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) bedeutet dieser Schritt einen wichtigen Beitrag zum sozialen Management. Der 47 Jahre alte türkischstärnmige Haluk Kaya, der als neuer Ansprechpartner der Mieter wirkt, bietet Sprechstunden in den Häusern an der Frankfurter Straße und im Stadtteil Langenhain an, zeigt sich in den Mietshäusern und bringt Nachbarn, die oft anonym Tür an Tür wohnen, manchmal das erste Mal miteinander ins Gespräch. Denn leider seien die gegenseitigen Vorstellungen oftmals alleine von Vorurteilen geprägt: Man spreche zwar reichlich übereinander, aber eben nicht miteinander, berichtet er. So seien drei Nachbarn - ein Italiener, eine Russlanddeutsche und ein Deutscher - in einem Mietshaus nicht gut aufeinander zu sprechen gewesen. Als man sich bei einem Kaffee erstmals kennengelernt habe, sei schnell herausgekommen, dass die Ressentiments alleine aufgrund von Sprachbarrieren und falschen Interpretationen entstanden seien. Dieser Konflikt habe sich praktisch nach der Aussprache in Luft aufgelöst. Nicht immer aber sei es so einfach, die grundsätzlich unterschiedlichen Mentalitäten und Lebensstile miteinander zu verbinden, weiß Kaya. So empfänden Türken als orientalische Menschen Lärm als belebend und schön, für die meisten Deutschen sei Kindergeschrei eher ein krankmachendes Element. Hierbei gelte es einen vermittelnden Weg zu finden. Dies hat der Sozialarbeiter zum Beispiel im Gespräch mit der 78 Jahre alten Mieterin versucht, die sich über die anhaltende Musik ihres 27 Jahre alten Nachbarn beschwerte. Während die ältere Dame sich schon sehr gefreut habe, dass sich überhaupt jemand ihres Ärgers angenommen hatte, konnte Kaya dem siebenundzwanzigjährigen Arbeitslosen sogar dabei behilflich sein, einen neuen Broterwerb zu finden. Denn oftmals biete Streit nur eine Gelegenheit, in einer schwierigen Lebenssituation einmal Dampf abzulassen. Dabei könnte nach Kayas Vorstellungen alles so einfach sein, wenn die Mieter doch nur ein türkisches Sprichwort beherzigen würden: "Suche dir einen guten Nachbarn, statt ein gutes Haus." In diesem Sinne wolle er durch sein Wirken zur Klimaverbesserung beittragen. |
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