![]() |
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
![]() |
Höchster Kreisblatt vom 08.07.2011 Flucht vor Baulärm und Dreck Mieter der stadteigenen HWB verbringen den Tag im Wald – Mayr: Wir haben Umzug angeboten Die Hofheimer Wohnungsbau- Gesellschaft (HWB) saniert ihre Häuser Schlesierweg 1-7 „am lebenden Objekt“, das heißt, mit bewohnten Wohnungen. Die Patienten schreien inzwischen vor Schmerz. Von Hanspeter Otto Hofheim. Wer mit einem der HWB-Mieter im Schlesierweg telefonieren möchte, hat schlechte Karten. Infernalischer Lärm im Hintergrund macht jedes Gespräch unmöglich. 88 dbA hat ein Mitarbeiter des Umweltamtes des Kreises, von Mietern herbeigebeten, gemessen. Bei 85 dbA ist Gehörschutz bei Bauarbeitern zwingend vorgeschrieben. Auch in der nächsten Woche werden die Mieter noch mit dem Radau leben müssen. So lange dauert es, bis alle Fensterstürze mit dem dicken Boschhammer abgehauen sind. „Hier ist mit extra dickem Beton gebaut worden“, begründet einer der Bauarbeiter, warum es zum Teil stundenlang dauert, bis der Beton weg ist. Alle Fensterhöhlungen am Haus müssen erweitert werden, weil dort neue, dreischichtige Fenster eingesetzt werden. Und für die neuen Balkone müssen die Wohnzimmer- Außenwände komplett eingerissen werden. Manche Mieter haben es vorgezogen, das Wohnzimmer ganz zu räumen, anderen ist eine Bretterwand mitten durchs Wohnzimmer gezogen worden. Auf der einen Seite leben sie, auf der anderen hämmern und bohren die Bauarbeiter. Nur drei Mietparteien seien ausgezogen, dahin, wo es ruhiger und billiger sei, denn wenn die HWB mit der energetischen Sanierung fertig sei, werden die Mieten um rund drei Euro pro Quadratmeter steigen. Die anderen sind mit der Erneuerung durchaus einverstanden. Nur die Bauarbeiten treiben sie langsam in den Wahnsinn. Dazu kommt, so erzählen sie, dass ihnen die HWB nur 30 Prozent Mietminderung zugestanden habe, obwohl bei dem Dreck und Lärm 80 Prozent angemessen seien. Die HWB habe dagegen mit einem Schreiben unter Verweis auf Gerichtsurteile darauf hingewiesen, dass ihre 30 Prozent angemessen seinen. „Seit drei Tagen gehe ich mit meiner Frau bis abends in den Wald“, erzählt ein Mieter. Er könne den Elektrohammer nicht mehr ertragen. „Wenn’s wenigstens eine Fluchtmöglichkeit gäbe, von mir aus eine Gartenhütt’.“ Flüchten aber lassen ihn die Bauarbeiter nicht, es sei denn, er gibt ihnen den Wohnungsschlüssel und lässt sie dort schalten und walten. Das aber will er auch nicht. Da bleibt er lieber. „Das Problem ist, dass viele Mieter die Bauarbeiten unterschätzen“, sagt HWB-Geschäftsführer Josef Mayr. Bevor die Baugesellschaft einen Häuserblock in Angriff nehme, biete sie grundsätzlich allen Mietern eine Ersatzwohnung an. „Sie können für die Zeit der Bauarbeiten umziehen, oder auch für immer“, sagt Mayr, „den Umzug zahlt die HWB.“ Viele Mieter aber würden den Umzug scheuen und wären zuversichtlich, die Bauphase zu überstehen. Wenn es aber richtig heftig werde, dann würden viele plötzlich doch lieber anderswo wohnen. „Wir können aber niemandem in ein paar Tagen eine neue Wohnung besorgen oder ihn kurzfristig im Hotel einquartieren“, sagt Mayr. „Da müssen sie jetzt durch.“ Die ganz harte Phase werde noch höchstens 14 Tage dauern, ist die HWB zuversichtlich, dann werde es wieder ruhiger. Wenn die neuen Balkons erst einmal stehen und die Fenster alle eingepasst sind, gehen die Belästigungen langsam gegen Null. Trotzdem zahlen die Mieter dann immer noch eine geringere Miete. „Wir machen das über die ganze Bauphase mit 30 Prozent, auch wenn in der kurzen, sehr lauten Phase 100 Prozent, manchmal 70 Prozent und oft nur 5 oder 10 Prozent angemessen wären“, sagt Mayr. Das rechne sich für die Mieter und die HWB. Am teuersten, aber ihm am liebsten, wäre es, wenn die Mieter für die Bauzeit ausziehen würden. Mayr: „Dann kann man großflächig arbeiten und muss keine Rücksicht auf Sonderwünsche nehmen.“ So aber bleiben auf Mietergeheiß auch alte Bäder in den neuen Wohnungen. „Da sanieren wir dann, wenn mal ein neuer Mieter kommt. Anders wär’s einfacher, „aber Bäder sanieren, macht den meisten Dreck“, hat Mayr Verständnis. |
|||
|
|
||||
| design codefathers.de |