Pressespiegel

Frankfurter Rundschau vom 02.12.2011

Sozialwohnungen in Gefahr

HofheimerWohnungsbaugesellschaft zieht Bilanz / ImKiebitzweg wird gebaut

Von Torsten Weigelt

Das Projekt stand eine Weile auf der Kippe, doch nun ist die Finanzierung gesichert: Im Frühjahr 2012 will die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) mit dem Bau von 39 Wohnungen im Diedenbergener Kiebitzweg beginnen. Das teilten HWB-Geschäftsführer Josef Mayr und Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) gestern bei einer Pressekonferenzmit.
Zwei Drittel der Wohnungen sollen als Sozialwohnungen entstehen, sechs werden rollstuhlgerecht ausgebaut. Gescheitert wäre das Projekt beinahe an der Abschaffung der Fehlbelegungsabgabe durch die schwarz-gelbe Landesregierung. 120000 Euro fehlen der HWB dadurch pro Jahr. „Wir haben noch einen Restbetrag übrig“, sagt Mayr. Außerdem gebe es für die Finanzierung des 5,6- Millionen-Euro-Projekts derzeit den „glücklichen Effekt“ niedriger Bauzinsen, so Mayr.
Für zukünftige Vorhaben sieht er jedoch schwarz. Deshalb fordert Bürgermeisterin Stang vom Land eine Kompensation für die gestrichene Abgabe. „Wenigstens wollen wir aber als Kommune die Möglichkeit haben, selbst zu bestimmen, ob wir eien Fehlbelegungsabgabe erheben wollen oder nicht."
Der Bedarf an günstigem Wohnraum jedenfalls sinkt nicht – im Gegenteil. Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bewerben sich bei der HWB um eine öffentlich geförderte Bleibe, das waren 2010 immerhin 224 Interessenten. „Fast alle, die eine Sozialwohnung suchen, kommen zu uns“, sagt Josef Mayr – auch aus benachbarten Kommunen.
Einheimische werden aber bevorzugt behandelt. „Wir haben in erster Linie einen Auftrag für die Hofheimer Bevölkerung“, sagt Gisela Stang. Hofheim ist neben Hattersheim die einzige Stadt im Main-Taunus-Kreis, die noch eine nennenswerte Zahl an öffentlich geförderten Objekten bereithält. „Das zahlt sich jetzt aus“, findet Rathauschefin Stang, „so haben wir die Möglichkeit, aktiv Stadtentwicklung zu betreiben.“
Auch im neuen HWB-Foruman der Elisabethenstraße, wo auch die Gesellschaft selbst neue Geschäftsräume bezogen hat, sind 14 der insgesamt 21 Wohnungen öffentlich gefördert. Aber auch die anderen seien problemlos zu vermieten gewesen. „Wir mussten sogar eine Reihe von Interessenten wieder wegschicken“, bedauert Josef Mayr. Weniger gut läuft es allerdings bei den Gewerbeflächen. So stehen noch drei Objekte mit insgesamt 320 Quadratmetern leer – unter anderem das Café im Ergeschoss, dessen Betreiber kurzfristig abgesprungen ist. Für alle drei Gewerberäume gebe es allerdings Interessenten, sagt Mayr. Und zumindest mit einem stehe er kurz vor der Vertragsunterzeichnung.
Doch nicht nur Neubauten muss die HWB stemmen. Besonders bei den Bestandswohnungen aus den 50er und 60er Jahren stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten an. So sind gerade im Schlesierweg 20 Wohnungen energetisch auf den neuesten Stand gebracht worden. Allerdings gibt JosefMayr zu: „Bei dem Thema herrscht ein großer Diskussionsbedarf mit den Mietern.“ Die Mieter sparen anschließend zwar bei den Heizkosten, müssen aber höhere Mieten berappen. Deshalb habe die HWB ihre Renovierungen in der Straße Am Forsthaus auf 2012 verschoben.
Die Kosten seien bei der HWB aber immer noch moderat, betont Mayr. So nehme sie bei 80 Prozent der Wohnungen eine Miete von unter sechs Euro pro Quadratmeter– und lediglich bei fünf Prozent werden 8,50 bis 9 Euro fällig. „Das ist dann bei uns aber die absolute Obergrenze“, betont Mayr.

BILANZ 2010
Die HWB verwaltet 1563 Wohnungen. Die Hälfte davon ist öffentlich gefördert –mit sinkender Tendenz.

Der Wert der Immobilien liegt bei knapp 73 Millionen Euro. Die Bilanzsumme ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2006 lag sie noch bei 56 Millionen Euro.

2010 erzielte die HWB einen Gewinn von 839000 Euro. Der Überschuss war in den vergangenen Jahren weitgehend konstant.

Das Eigenkapital liegt bei 21 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote beträgt 28,7 Prozent. Damit liegt die HWB im Vergleich zu anderen Immobiliengesellschaften im vorderen Mittelfeld.

   
 
 
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