Soziales Management

Main Taunus Kurier vom 23.9.2008

Gemeinsam mit den Mietern Lösungen entwickeln

Der 47-jährige Haluk Kaya ist bei der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft als Sozialarbeiter und Konfliktberater tätig

Von Martina Weyand-Ong

HOFHEIM Ihr neues Soziales Management hat die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) jetzt vorgestellt. Bei Konflikten zwischen den Mietern seien mitunter sowohl die Hausmeister vor Ort als auch die Sachbearbeiter im Büro überfordert, betonte die HWB-Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeisterin Gisela Stang. Daher hat die HWB einen Sozialarbeiter als Ansprechpartner eingestellt, der Konfliktberatung vor Ort anbietet und regelmäßige Sprechstunden abhält. Und wenn es nötig sein sollte, dann wird Haluk Kaya auch abends und an den Wochenenden bei Streitfällen vermitteln.

Der 47-jährige Sozialarbeiter und Sozialpädagoge, der sich auch als Konfliktberater hat ausbilden lassen, ist in der Türkei aufgewachsen. "Durch seinen kulturellen Hintergrund ist der diplomierte Sozialpädagoge besonders geeignet, Menschen unterschiedlichster Kulturen und Altersgruppen zusammenzuführen", betonte HWB-Geschäftsführer Josef Mayr. Denn rund ein Drittel der Mieter, die in den 1 600 Wohnungen der 200 HWB-Häuser leben, hat einen Migrationshintergrund. Dazu ist bereits knapp die Hälfte der Mieter mittlerweile 50 Jahre und älter. Ein Viertel der Bewohner ist aber unter 20 Jahre. "Deshalb wird jemand gebraucht bei der HWB, der das soziale Miteinander fördert", so Stang. "Ich bin jemand, der gerne rausgeht und gemeinsam mit den Mietern Lösungen entwickelt, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", betonte Kaya. In den ersten sechs Wochen seiner Tätigkeit für die HWB ist ihm aufgefallen, dass viele Mieter nicht mehr miteinander reden, sondern oft nur über Anwälte kommunizieren. Vorbehalte ethnischer Art oder Generationskonflikte können so nur verstärkt werden. Aber auch kulturelle Unterschiede tragen zu Konflikten bei, wie er beobachtet hat. Häufigster Grund für Nachbarschaftskonflikte sind Lärmbelästigungen.

"Bei türkischen oder marokkanischen Familien gilt es beispielsweise als normal, dass Kinder bis 23 Uhr spielen und Krach machen können, weil Krach als etwas Lebendiges und Schönes empfunden wird", weiß der Sozialarbeiter, der zuletzt in dem als problematisch geltenden Neu Isenburger Stadtteil West gearbeitet hat und auch schon in Frankfurt tätig war. Von Deutschen werde dagegen Krach als krankmachender Faktor gesehen.

Ebenso kann Kaya von einem Streit zwischen einer 78-jährigen Deutschen und einem jungen Arbeitslosen mit Migrationshintergrund berichten. Während die ältere Mieterin, die schon seit langem in dem HWB-Haus lebt, sich stets penibel an die Hausordnung hält, kam der junge Mann spät abends nach Hause und machte sich durch laute Musik unbeliebt. Ein vermittelndes Gespräch zwischen beiden Mietparteien hat die Sache nun geklärt und Haluk Kaya hilft dem jungen Mann nun auch noch, einen Job zu finden.

Neben den Einzelgesprächen und der Mediation, die der HWB-Sozialarbeiter anbietet, ist Haluk Kaya nun auch einmal wöchentlich im Rahmen einer Sprechstunde sowohl in dem Gemeinschaftsraum der Wohnanlage in Langenhain (donnerstags von 16 bis 18 Uhr) als auch in der "Loge" in der Wohnanlage in der Frankfurter Straße 106 (dienstags von 16 bis 18 Uhr) vor Ort. Weitere mögliche Einsatzgebiete für den neuen Sozialarbeiter sind beispielsweise die Beratung und Unterstützung von Senioren im Rahmen von Modernisierungsnahmen oder die Strategieentwicklung zur Förderung der Integration von Migranten und Mietern unterschiedlicher Nationalitäten.

   
 
 
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