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Eine Feier für mehr Nähe

Frankfurter Rundschau vom 25.8.2008

Das 8. Straßenfest in der Nordstadt soll Integration im Viertel verbessern

VON FRANZISKA RICHTER
Die elfjährige Jenny tippt ihre Freundin Gülfer an. "Hey, was hast du da geschrieben?", fragt sie. Beide haben zusammen getackerte Zettel der Fragebogen-Ralley in der einen und einen Kugelschreiber in der anderen Hand. Um sie herum sitzen und stehen zwei Handvoll Jugendlicher, die einen der kleinen Preise der Ralley gewinnen wollen. Die Fragen sind nicht so einfach: Wie heißt der Bundesaußenminister? Welches Jubiläum feiert die Kreisstadt Hofheim? Was erwartest du von einer guten Freundin? Alle beraten sich, alle schreiben ein wenig ab. Hier ist das erlaubt.

Zum achten Mal wurde am Samstag in Hofheim Nord das Internationale Spiel- und Straßenfest ausgerichtet. Nicht nur die Fragebogen-Ralley ist ein Klassiker. Auch das Fest ist hier eine Institution. "Ich bin jedes Mal hier gewesen", sagt Gülfer. Ihr gefalle es vor allem, weil sie Freunde und Verwandte treffe. Ein paar Meter weiter steht Güley Tutay. Sie unterhält sich mit zwei Nachbarinnen. "Wir haben gerade festgestellt, wie schön es ist, sich mal privat auszutauschen", sagt sie. Dazu sei im Alltag keine Zeit.

Mehrere hundert Besucher

Genau das wollen die Organisatoren und Initiatoren, der Verein "Wir in Nord" (WiN), mit dem Internationalen Straßenfest erreichen. Bei WiN engagieren sich Vertreter verschiedener Einrichtungen, etwa von der Evangelischen Johannesgemeinde, der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft, dem Sozialen Dienst, dem Ausländerbeirat, der Kinder- und Jugendhilfe und der Lokalen Agenda. "Hier in Hofheim-Nord leben viele Kulturen zusammen, das Fest soll ein Anlass sein, ins Gespräch zu kommen", sagt Nazan Uzel, seit Mai 2008 Vorsitzende des Hofheimer Ausländerbeirats.

"Immer, wenn in Hofheim etwas stattfindet, dann ist das unten in der Kernstadt", sagt die Jugendsozialarbeiterin Annemarie Brand-Böhl. Dabei sollte doch dort gefeiert werden, wo die Leute leben. "Die Idee war von Anfang an, alle mit einzubeziehen." Auch wenn dies nicht wirklich gelungen sei, würden doch jedes Jahr erneut mehrere Hundert Besucher den Weg auf die Wiesen zwischen Fichtestraße, Liederbacher Weg und Homburger Straße suchen.

Das sind nicht nur Anwohner. Auf der kleinen Bühne stehen unter anderem Tanzgruppen des TV 1860 und des TV Lorsbach sowie zwei Bands der Hofheimer Musikschule. Gerade spielt die Formation Caustic. Antje Benmesbah aus Langenhain sitzt auf einer der Bänke vor der Bühne und ist begeistert: "Die Musik ist wirklich gut." Dass an diesem Samstag viele interkulturelle Begegnungen stattfinden, das bezweifelt sie allerdings. "Ich wohne in einem ähnlichen Viertel. Die Ausländer haben Berührungsängste und wollen unter sich bleiben", sagt sie. Das können sie zwar verstehen, aber nicht akzeptieren.

Für Annemarie Brand-Böhl ist das Fest dennoch ein Erfolg: "Wir brauchen kleine Schritte", sagt sie. Es sei doch toll, dass "so viele Migrantenjugendliche immer wieder herkommen". Ein Grund dafür ist auch die Band, die wie in den vergangenen Jahren am Samstagabend spielt: ohne fronten, so heißt sie. Dir Gruppe rappt auf deutsch, italienisch und türkisch.

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